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Bergspitze/IKEA/Fußgängertunnel

Nun kostet die Neugestaltung des Fußgängertunnels unter der Max-Brauer-Allee hin zur Neuen Großen Bergstraße also plötzlich doppelt soviel wie geplant, nämlich zwei statt einer Million. Grund seien einerseits die gestiegenen Baukosten aufgrund der Hochkonjunktur im Baugewerbe, andererseits das Versprechen des Bezirks gegenüber IKEA, den Tunnel in neuem Glanz rechtzeitig zur Eröffnung des Möbelhauses fertigzustellen. In der Unterwürfigkeit gegenüber den Interessen des schwedischen Konzerns hat man offensichtlich vergessen, die Kosten durchzurechnen und Verträge mit der Baufirma zu schließen, die eine Verdoppelung der Umbaukosten nicht möglich werden ließen. Bemerkenswert hierbei ist der Umstand, dass der Tunnel nicht etwa vergrößert, verbreitert, vertieft oder barrierefrei hinsichtlich des deutlich überschrittenen zulässigen Gefälles für Rollstuhlfahrer gestaltet, sondern ausschließlich aufgehübscht wird, damit die IKEA-Kunden, die vom Altonaer Bahnhof kommen, ein Wohlfühlempfinden entwickeln können, um davon beflügelt ordentlich einzukaufen. Nun ist dieses Vergessen von vertraglichen Regelungen gegenüber Baufirmen und Investoren,die man getrost auch Renditehaie nennen kann, nicht neu. Als der Bebauungsplan für die sog. Bergspitze, also das spitz zulaufende Dreieck zwischen Max-Brauer-Allee, Neuer Großer Bergstraße und Großer Bergstraße, auf Betreiben des damaligen Bezirksamtsleiters Warmke-Rose in einem rechtlich höchst fragwürdigen Verfahren in einer Nacht-und-Nebel-Aktion geändert und auf die Bedürfnisse des Investors zugeschnitten wurde - alles vor dem Hintergrund, IKEA die gegenüberliegenden "Pissecken" aus dem Weg und der Sicht zu räumen - hat man "vergessen", einen städtebaulichen Vertrag mit dem Inhalt der Verpflichtung wenigstens eines Drittels sozialen Wohnungsbaus abzuschließen. Was für ein Pech auch. Komischerweise hat der Senat das nicht evoziert, obwohl es doch Olaf Scholz' Vertrag für Hamburg mit dem Drittelmix im Wohnungsbau zuwider läuft. Dafür hat man die Bürger hinsichtlich der Gestaltung des Goetheplatzes befragt und ihnen eine Mitsprache eingeräumt. Leider, wovon sich jede/r in eigenem Augenschein überzeugen kann, gibt es aber keinen Goetheplatz mehr, sondern nur noch eine zugige Fußgängepassage, zumal, wenn das Bauvorhaben an der Bergspitze umgesetzt sein wird, wofür die Bodenkommission, also die Senats-Abteilung für die im Wortsinne faktische Veruntreuung öffentlichen Eigentums, eine nicht unerhebliche Fläche der Fußgängerzone an den Investor Bruhn verkauft hat, dem noch einige weitere Immobilien an der südlichen Seite der Neuen Großen Bergstraße und an der nördlichen Seite der Großen Bergstraße im Bereich der Eisdielen gegenüber der IKEA-Baustelle gehören. Ihm, der selber in den USA lebt und von dort aus agiert, gehört auch das nun schon fast vollständig entmietete Areal an der Ecke Holstenstraße/Max-Brauer-Allee, wo jahrzehntelang ein Motorrollerladen mit italienischen Modellen ansässig war, allerdings auch weit über hundert günstige Wohneinheiten, die allenfalls im Hochpreisbereich oder als Eigentumswohnungen nach der Neubebauung wieder angeboten werden dürften.