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Holsten knallt am Dollsten

Ein Letter of Intent LOI ist eine aus dem kaufmännischen Bereich stammende Vereinbarung/verbindliche Absichtserklärung, die eine Art Vorvertrag ist.
In der Politik werden solche Absichtserklärungen eigentlich nicht vereinbart, sondern es werden städtebauliche Verträge geschlossen.

Im Fall des Verkaufs des Geländes der Holsten-Brauerei wurde zwischen dem Senat und der Carlsberg-Brauerei, zu der Holsten seit der Übernahme 2004 gehört, ein LOI „fixiert“, der aufzeigt, was nach dem Umzug der Brauerei auf dem 86.500 qm großen bisherigen Betriebs-Gelände dort künftig geschehen soll.

Das bisher planrechtlich als Industriefläche ausgewiesene Gelände hätte mit dieser Ausweisung einen ungefähren Wert von ca. 150 €/qm = 13 Mio. €.

Im Falle der Umwandlung der Ausweisung in ein Wohn- oder Mischgebiet (Wohnen und Gewerbe) steigt der Bodenpreis nach den aktuellen Richtwerten auf ca. 2.000 €/qm. Das wären dann 172 Mio.€.

In dem LOI hat der Senat Carlsberg zugesagt, dass er die enorm gewinnsteigernde Umwandlung des bestehenden Planrechts umsetzen würde, gleichwohl dies eine rein bezirkliche Angelegenheit ist.

Ein Bebauungsplan mit der Festsetzung des Baurechts wird unter Mitwirkung der Öffentlichkeit (Anhörungen, Auslegungen, Einwändungen) unter Hinzuziehung diverser Gutachten (Lärm, Verkehr, Naturschutz, Umwelt etc.) eingeleitet, aufgestellt und beschlossen.

Dies hat der Senat – wie so oft – vorweggenommen und de facto beschlossen.

Aufgrund dieser Zusage seitens des Senats haben diverse Investoren ihre Angebote für den Kauf des Holstenbrauerei-Geländes abgegeben.

Carlsberg hat zuvor erklärt, sie würden nur dann bereit sein, einen Hamburger Standort beizubehalten, wenn sich der Umzug für sie kostenneutral gestalten könne.

Nun haben sie mit der Zusage des Senats, die planrechtliche Ausweisung für überwiegend Wohnungsbau zu verändern, sich bereit erklärt, ein ähnlich großes Gelände in Hausbrauch von der Stadt zur Verfügung gestellt zu bekommen.

Nach übereinstimmenden Berichten bekam Carlsberg von dem Investor, der Düsseldorfer Gerchgroup, aufgrund der Senatszusage 150 Mio. € für das Gelände am Holsten-Bahnhof. Immerhin 137 Mio. € mehr als nach dem geltenden Baurecht zu realisieren gewesen wäre. Das reicht dann auch, um eine supermoderne Brauerei auf dem von der Stadt bereitgestellten Gelände in Hausbruch eine nigelnagelneue Brauerei kostenneutral errichten zu können. Offenbar ein supertoller Deal für alle. Carlsberg/Holsten, die Stadt und der Investor, die Gerchgroup.

Und nun soll die Öffentlichkeit auch noch beteiligt werden.

Nach Auskunft des Altonaer Baudezernenten Gerdelmann und seines Fachamtsleiters Stadtplanung Conrad wird im Herbst ein ergebnisoffenes bezirkliches Bebauungsplanverfahren begonnen, in dem die Öffentlichkeit all ihre Wünsche und Forderungen äußern darf, die dann gesetzestreu abgewogen werden. Und dann soll auch noch ein Architekturwettbewerb stattfinden.

Allerdings hat der Oberbaudirektor Jörn Walter erklärt, „mit der Neuen Mitte Altona haben wir bereits eine Blaupause“.

Und so ist es: der Architekt André Poitiers, der bereits den Wettbewerb für die Neue Mitte auf dem ehemaligen Altonaer Güterbahnhofsgelände gewann bzw. zugeteilt bekam, hat das Kaufangebot der Gerchgroup mit einem dem LOI konformen Entwurf begleitet.

„Wir denken, den richtigen Nutzungsmix für Altona auf den Weg gebracht zu haben,“ sagte Mathias Düsterdick, Geschäftsführer der Gerchgroup. „Erhalten bleiben der Turm mit dem Holsten-Ritter samt angeschlossenem Sudhaus sowie der Julius-Turm.“ Hier könnte die bestehende Mikro-Brauerei einziehen und ein Biermuseum.

Alle Zitate aus der ImmobilienZeitung, Ausgabe vom 30.6.2016

Artikel: Robert Jarowoy