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Das Käseblättchen 31. KW 2013

Liebe Käsefreunde,


Sie werden sich erinnern, dass ich Ihnen in der Ferienausgabe meines Käseblättchens vor 6 Jahren bereits berichtet habe, dass die ersten käsekundlichen Erwähnungen des Greyerzers 1115, des Goudas 1184, des Emmentalers 1200 und des Cheddars 1086 alle innerhalb eines beieinander liegenden Zeitraums zu Beginn des vorigen Jahrtausends erfolgten. Warum sich dies innerhalb eines so engen und geographisch doch recht weit verzweigten Raumes parallel vollzog, ist nicht uninteressant. Tatsächlich war Käse ja schon viel länger bekannt, nämlich seit der Antike, wo bereits allerlei darüber schriftlich niedergelegt worden war. Nach dem Ende des römischen Reiches versank Europa jedoch in einen unglaublichen Rückschritt. Die vor allem von griechischen Gelehrten verfassten Texte wurden von der Kirche entsprechend ihrer dogmatischen Weltsichtweise aus dem Verkehr gezogen und nur noch in der arabischen Welt erhalten. Erst Karl der Große als Kaiser und Beherrscher Mitteleuropas erkannte die Bedeutung der antiken Forschungen, die durch die Araber weiterentwickelt worden waren. Auf sein Geheiß hin wurde sehr viel ins Lateinische rückübersetzt, damit die Erkenntnisse der Allgemeinheit zugängig gemacht werden konnten. Karl der Große selber war allerdings Analphabet, und fast die einzigen, die zu diesem Zeitpunkt (Anfang des 9. Jhdt's) in Mitteleuropa überhaupt lesen und schreiben konnten, waren Mönche. Diese begannen dann in einer gewissen Konkurrenz zu den raubenden und mordenden Ritterhorden eine Art Zivilgesellschaft aufzubauen, die sich auf Landwirtschaft gründete und wegen Fastenregeln und Gelöbnissen (z.B. kein Fleisch zu essen) besonders auf die Herstellung von Käse orientierten. Eines recht haltbaren Lebensmittels, das hinter den Klostermauern in Ruhe reifen konnte, Den Klöstern war es seit Karl dem Großen gestattet, den Bauern den Kirchenzehnten auch in Form von Milch abzuverlangen, was sich für die geschäftstüchtigen Äbte als recht lukrativ erwies. Die Mönche dokumentierten dafür die Herstellungs-Verfahren ihrer Käse-Kreationen akribisch und patentierten sie in gewisser Weise damit. Insofern sind sie die Wegbereiter unserer heute gültigen Ursprungsschutz- und Sortenregeln.

Ihr Robert Jurowoy