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Das Käseblättchen 32. KW/2013

Liebe Käsefreunde,


Gleichwohl ich Ihnen den legendären Brie de Meaux aus liefer-technischen Grinden erst in der nächsten Woche präsentieren kann, möchte ich Sie schon jetzt auf diesen beim Wiener Kongress 1815 zum 'König der Käse' gekürten Tortenbrie einstfimmen. Dieser Käse war in Frankreich aber schon lange zuvor bekannt, erstmls 1212 urkundlich erwähnt und berühmt geworden als Lieblingskäse der 1615 verstorbenen Königin Margot von Frankreich (Margarete von Valois). Aber auch Alexandre Dumas ließ seine drei Musketiere ihre Mahlzeiten stets mit einem Happen Brie de Meaux beenden. In Deutschland hatte sich der Gießener Chemiker Justus von Liebig 1836 erstmals wissenschaftlich mit der Erforschung der Gärung von Weichkäsen befasst und die Einrichtung einer Käserei in Aufenau bei Wächtersbach angeregt, da es bei den damals nach nicht vorhandenen Kühlmöglichkeifen kaum möglich war, Weichkäse aus Frankreich zu importieren. Unter Anleitung von Nikolaus Adnot wurde dort nun der erste Brie außerhalb Frankreichs hergestellt. 1878 wurde die Käserei von Louis Prinz übernammen, der sie mit seinem Bruder Heinrich weiter ausbaute und 1887 auch noch die Heinrichsthaler Milchwerke bei Radeberg in Sachsen übernahm. Dort war von Agathe Zeis‚ der Gattin des Heinrichsthaler Gutsbesitzers Hermann Alexander Zeis‚ in der von ihr geleiteten „Haushaltungsschule und Lehrmeierei" der erste patentierte deutsche Camembert produziert worden. Neben diesen Pionierleistungen auf dem Gebiet der Weichkäseerzeugung machte sich die Firma einen Namen durch die tropenfeste Verpackung von Camenbert in Weißblechdasen sowie - zu DDR-Zeiten, wo der Betrieb in die noch heute bestehende Radeberger Molkereigenossenschaft überführt wurde - durch die Erfindung der „Radeberger Käsefüße", einem Käse in Fußfarm von Kindern. Trotz diesen großartigen Erfolgen, die bei verschiedenen internationalen Molkereiprodukte-Ausstellungen wiederholt mit Goldmedaillen ausgezeichnet wurden, erreichten die Erzeugnisse doch nie das Niveau des Brie de Meaux, der nicht nur der König der Käse geblieben ist, sondern seit Maria Leszczynska, der Gattin Ludwigs XV., zur Zubereitung der Pastete bouchée à la reine, der Königinnenpastete verwendet wird.

Ihr Robert Jarowoy