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Das Käseblättchen 10. KW/2013

Liebe Käsefreunde!

Nachdem ich nun schon ein paar hundert Käseblättchen verfasst habe, möchte ich Ihnen meine Recherche-Ergebnisse über Herkunft und Bedeutung des Begriffs 'Käseblättchen' nicht vorenthalten. Wenn Sie im Internet googeln‚ stoßen Sie zunächst auf den Eintrag „Käseblatt ist das Online-Magazin der Städte Halver, Hückeswagen und Wermelskirchen". Falls Sie nicht von dort sind, wird Ihnen das aber nicht unbedingt sehr viel sagen. Da sticht der „Nortorfer Käseblatt-Prozess" in seiner Bedeutung schon sehr viel mehr heraus. Bevor ich über diesen berichte, möchte ich Sie in Kenntnis setzen, dass man nur in Deutschland so einen Begriff als abschätzige Bewertung für eine provinzielle Zeitung benutzt. In Frankreich beispielsweise, wo Käse als etwas Edles angesehen wird, spricht man vom Kohlblatt (feuille de chou), womit dasselbe gemeint ist wie bei uns. Nun aber zum Nortorfer Skandal aus dem Jahre 1911, nachzulesen auf der Homepage des dortigen SPD-Ortsvereins. Im Jahre 1911 erreichte das Verhältnis der Nortorfer Sozialdemokraten zur lokalen Presse in Gestalt der von einem Hermann Braun herausgegebenen Nortorfer Zeitung ihren absoluten Tiefpunkt. Am 3. Febmar 1911 führte ein Artikel in der sozialdemakratischen Volkszeitung über die Feierlichkeiten anläßlich des Kaiser-Geburtstages zur Eskalation. Dabei ging es weniger um die Feier selbst. Stein des Anstoßes war der Satz, mit dem ein Zitat der Bürgermeister-Rede eingeleitet wurde: „Nach dem Bericht des hiesigen Käseblattes...". Das wollte Hermann Braun nicht auf sich sitzen lassen und strengte eine Beleidigungsklage gegen die Volkszeitung an. In seinem in der Nortorfer Zeitung veröffentlichen Bericht über den darauf folgenden 'Käseblatt-Prozess‘ verglich er die Beleidigung mit dem Ausgießen eines Nachttopfs, was zu einer nicht unerheblichen Belastigung der Nortorfer Bügerinnen und Bürger führte und den Prozess vor dem Nortorfer Amtsgericht sowie den „Topfbericht“ darüber unsterblich machte und in die Annalen der Geschichte eingehen ließ, so dass ich Ihnen hundert Jahre später in meinem Käseblättchen noch davon berichten kann.

Ihr Robert Jarowoy