Anzeige

Das Käseblättchen 3. KW/2013

Liebe Käsefreunde!

Die Abtei zur Lieben Frau vom Hafen des Heils wird Ihnen jetzt vielleicht nicht so viel sagen, aber der Part-du-Salut (Hafen des Heils) ist die Wiege eines der berühmtesten Käse der Welt, des Port-Salut oder auch Saint-Paulin, der die Vorlage für den aus urheberrechtlichen Gründen Ribeaupierre genannten holländisch-belgischen Käse aus dem Hause Bastiaansen darstellt. Nach dem Ende der Französischen Revolution und der endgültigen Niederlage Napoléons kehrten die in die Schweiz geflüchteten Mönche des Trappisten-Klosters Entrammes wieder nach Frankreich zurück und nannten ihre Abtei Hafen des Heils. Nachdem sie auch schon vor ihrer Flucht Käse produziert hatten, waren ihnen in der Schweiz für sie neue Fertigungsarten bekannt geworden. Aus der Kombination entwickelten sie den halbfesten Schnittkäse gleichen Namens. „Unser Ehrwürdiger Pater Don Henri verließ am 10. November 1873 Port-du-Salut um an einer Kirchenkonferenz teilzunehmen. In Paris suchte er seinen Freund Mauget auf, der in der Rue du Cardinal Lemoine ein angesehenes Käsegeschäft betrieb. Mauget wurde beauftragt, unseren Käse zu einem geringen Preis zu verkaufen, damit wir einen bescheidenen Gewinn erzielen können. Dreimal in der Woche sandten wir eine Partie Käse nach Paris. Schnell erwarb sich unser Käse einen guten Ruf und jedermann wollte ihn haben. Sobald eine Sendung Käse bei Monsieur Mauget eintraf, hängte er ein Schild vor sein Haus, auf dem geschrieben stand: „Arrivage des fromages“ (Die Käse sind da) – und unverzüglich strömten die Kunden herbei. In weniger als einer Stunde war die Sendung verkauft.“ Nachdem der Käse vielerorts, zunächst nur in Frankreich, später aber auch vor allen in der Gegend von Banjo Luka, im heutigen Bosnien nachgeahmt wurde, gab es diverse Gerichtsverfahren um die Berechtigung der Namensführung‚ die immer wieder, durch geringfügige Umformulierungen der ursprünglichen Bezeichnung umgangen wurden. Unter der Bezeichnung Saint Paulin war er 1930 der erste Käse, der aus pasteurisierter Milch hergestellt wurde. Der Name Ribeaupierre geht übrigens auf das mittelalterliche Schloss Ribeaupierre im Elsass zurück in dem die schöne Witwe des Ritters von Hungerstein ihr Lebensende verbringen musste, nachdem sie 1487 ihren Gatten hatte erwürgen lassen. Wie und ob sie damals mit welchem Käse versorgt wurde, kann ich Ihnen jetzt leider nicht urkundlich belegbar berichten.

Ihr Robert Jarowoy