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Das Käseblättchen 22. KW/2017

Liebe Käsefreunde!

Nachdem ich Ihnen nun schon einige bedeutende mit Pfingsten und Käse im Zusammenhang stehende Brauchtümer geschildert habe, komme ich nach einigen Jahren auf Katharina Eisenreich zurück, die, wie einige sich erinnern werden, an Pfingsten 1927 erstmals den Obatzter in ihrem bayrischen Biergarten mit frischen Laugenbrezeln und spiralförmig geschnittenem Rettich (Radi) ihren Gästen anbot. Obzwar sie nicht mit solchen Käsegigantinnen wie Marie Harel (Camembert), Barbara Dunlop (Cheddar) oder Hanne Nielsen (Havarti) in eine Reihe gestellt werden kann, da sie eigentlich nur das Zusammenmanschen von abgelaufenen Weichkäsen als Geschäftsidee erfand, gehört sie dennoch mit den vorgenannten Damen irgendwie in den Käseolymp, zumal ihre Creation weit über Bayern hinaus Anklang fand, in der Schweiz als Gmanschter und in Franken als Gerupfter. Originär stammt der Obatzter aber aus Bayern, wo Katharina Eisenreich ihn in Freising im Weihenstephaner Bräustüberl erstmals präsentierte. Heute gehört er neben Weißwürsten mit süßem Senf zur Standard-Brotzeit auf den Wies'n. Da in Hamburg nicht alle Leute mit deftigen bayrischen Spezialitäten vertraut sind, erlaube ich mir, Ihnen eine der verschiedenen Obatzter-Zubereitungsvarianten aufzuschreiben. Man nehme einen reichlich reifen Camembert, Brie und/oder Romadur/Limburger, zerteile ihn in kleine Stückchen und vermenge die Masse mit Butter in einem Verhältnis von 5:1, also ca. 5 Teile Käse, ein Teil Butter. Hinzu kommt eine sehr fein gehackte Zwiebel sowie ein Eigelb. Das wird dann mit Salz, Pfeffer und Kümmel verknetet, phantasievoll geformt und mit frischem Schnittlauch und reichlich edelsüßem Paprikapulver garniert. Wenn der Weichkäse schon sehr streng im Geschmack ist, kann man die ganze Geschichte durch Zugabe von Frischkäse etwas abmildern. Der Obatzter sollte am Tag seiner Herstellung verspeist werden, da die Zwiebel sonst einen bitteren Geschmack hinterlässt. Als gebürtiger Franke aus dem berühmten Ort Gauchsmühle würde ich dazu einen Bocksbeutel Weißwein empfehlen, in Bayern hingegen darf es natürlich nur obergäriges Bier sein, wenn es wirklich zünftig schmecken soll.

Ihr Robert Jarowoy