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Das Käseblättchen 20. KW/2017

Liebe Käsefreunde!

Da der alte Brauch des Pfingst-Käsens nicht mehr überall in Erinnerung ist, möchte ich Ihnen an dieser Stelle rechtzeitig das bekannteste Rezept zur Zubereitung von Pfingstkäse liefern. Sie benötigen 14 Eier, 750 ml Milch, eine Prise Salz, 4 TL Zucker und 2 TL Zimtpulver. Eier mit Zucker und Salz im Mixer gut schlagen, die Milch kurz aufkochen lassen und mit dem Eier-Zucker-Gemenge so lange verrühren, bis die Masse gestockt ist. Diese auf ein Sieb oder Brett mit Ablauf stürzen und nach der Abkühlzeit über Nacht in den Kühlschrank stellen und mit Zimt bestäuben. Fertig ist der Pfingstkäse. Ein anderer mit Käse verbundener Pfingst-Brauch ist der Großgartacher Käsritt, von dem Sie bestimmt schon gehört haben werden. Um jedoch den Hintergrund zu erhellen: die Großgartacher hatten als Ersatz für das Recht, ihre Kühe auf den Wiesen des benachbarten Ritterguts Hipfelhof weiden zu lassen, den Anspruch darauf, zweimal im Jahr jeweils ein großes Käserad kostenlos dort abholen zu dürfen. Ob das ein guter Tausch war, sei mal dahingestellt. Aber auf jeden Fall war der eine Abholtag der Pfingstmontag (der andere Maria Himmelfahrt). „Am Pfingstmontag ritten die Burschen im Wettstreit von Großgartach zum Hipfelhof. Dort angekommen überreichten sie dem Verwalter einen Blumenstrauß mit den Worten: 'Guten Morgen, Herr Verwalter! Wir wollen es beim Alten belassen und nichts Neues aufbringen, da wir Großgachtener das Recht haben, auf dem Hipfelhof alle Jahre einen Käse abzuholen'. Der Verwalter erwiderte den Gruß und überreichte den 6-8 Kilo schweren Käse. Die Reiter dankten, ritten dreimal um die Kirche und dann nach Hause, wo sie von den Mädchen des Ortes empfangen wurden. Der Käserittsieger bekam von allen Mädchen einen Kuss. Anschließend schmückten die Mädchen den Käse mit bunten Bändern und befestigten ihn an einer frisch geschlagenen Birke. Mit dieser zogen die Reiter und alles Volk durchs Dorf zum Festschmaus, wo der Käse nebst allerlei Köstlichkeiten verzehrt wurde“. Dieser im 19. Jhdt. eingeschlafene, aber in allerlei Geschichten überlieferte Brauch wurde 1950 wiederbelebt. Falls Sie an Pfingsten in der Nähe von Heilbronn sein sollten, haben Sie die Chance, ein Stück vom Käse abzubekommen.

Ihr Robert Jarowoy