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Das Käseblättchen 19. KW/2017

Liebe Käsefreunde!

Da ich in dieser Woche in vielen Käsekistchen den Dannwischer Bärlauchkäse habe, möchte ich dies zum Anlass nehmen, ein paar Worte über Bärlauch zu verlieren. Dieses Heil- und Gewürzkraut fand bereits bei den Kelten und Germanen, aber auch bei den Römern als Herba salutaris (heilsames Kraut) vielseitige Verwendung. Der Name soll daher stammen, dass Bären nach ihrem Winter-schlaf als erstes die Blätter des Bärlauchs zu sich nahmen, um so ihr während des Winterschlafs stillgelegtes Verdauungssystem wieder in Gang zu bringen, denn über den Bärlauch heißt es „wohl kein Kraut der Erde ist so wirksam zur Reinigung von Magen, Gedärmen und Blut wie der Bärlauch“ (dies schrieb der berühmte Schweizer Kräuterpfarrer Johann Künzle in seinem 1911 erschienen Großen Kräuterheilbuch. Aber auch in einer alten englischen Bauernregel wird empfohlen, Lauch im März und Bärlauch im Mai zu konsumieren, dann brauche man das ganze Jahr über nicht mehr zum Arzt zu gehen („eat leeks in March and ramsins in May...“). Der im März austreibende und im Mai zur Blüte kommende Bärlauch, der auch Hexenzwiebel, Waldknoblauch oder Ramsen genannt wird, wird häufig mit den ihm ähnlich sehenden Blättern des Aronstabes, der Maiglöckchen und der Herbstzeitlosen verwechselt. Da diese Pflanzen äußert giftig sind, empfiehlt es sich – auch aus Naturschutzgründen – sich nicht wie die Bären im Wald auf die Suche nach frischen Bärlauchblättern zu machen, sondern sie im eigenen Kräutergarten zu kultivieren oder frisch geerntet auf dem Markt oder im Gemüsekisten-Abo zu kaufen.Was die Verwendung im Käse anlangt, so ist sie umstritten. Der bedeutendste Botaniker des späten Mittelalters Tabernaemontanus (eigentlich Jakob Dietrich) schrieb bereits 1588: „Dieser ist in seiner gantzen Substanz eines ublen starcken Geruchs unnd bösen Geschmacks: also dass wann das Rindviehe es in der Weyde versucht, so schmackt unnd reucht die Milch, Käss und die Butter so starck nach dem Knoblauch, dass dieselbige nicht leichthin kan genossen werden.“ Eine in der leider nun schon gewesenen Walpurgisnacht verkostete Hexensuppe aus Bärlauch hätte alle bösen Geister von Ihnen ferngehalten, aber vielleicht klappt das ja auch jetzt noch mit Bärlauch-Käse!

Robert Jarowoy