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Das Käseblättchen 17. KW/2017

Liebe Käsefreunde!

Wie die meisten von Ihnen wissen, bemühe ich mich ja stets, beim Käse die Politik herauszuhalten, was mir zugegebenermaßen nicht immer gelingt. Aber wenn ich jetzt über einen französischen Käse schreibe, kurz bevor das Ergebnis der ersten Runde der Präsidentschaftswahlen in Frankreich vorliegt, befürchte ich, dass ausgerechnet im Land der mehr als 200 Käsesorten am Ende mit der Politik alles Käse sein wird. Eine Redensart, die natürlich nicht in Frankreich sondern in Deutschland entstanden ist, wo man Käse wegen seines Geruchs und der eher niedrigschwelligen Hersteller-Kultur wenig wertschätzte. Deswegen ja auch Käseblättchen, aber das wissen Sie schon. Die Mimolette ähnelt in ihrem Äußeren einer mittelalterlichen Kanonenkugel. Der Name kommt von dem französischen Wort mimou = halbweich, gleichwohl dieser Käse im Gegensatz zu fast allen französischen Käsen weder weich noch halbweich ist. Die US-Zollbehörden haben 2013 ein Importverbot über ihn verhängt, nachdem die Food and Drug Administration ihn als „widerliche, faulige oder zersetzte Substanz“ deklariert hatte, die „nicht als Nahrungsmittel geeignet“ sei. Und das war noch vor Trump. Um aber nicht erneut in die Politik abzugleiten, möchte ich Ihnen noch den Chavré vorstellen, einen „typischen belgischen handgeschöpften Ziegenweichkäse mit Weißschimmel“. Nun fragen Sie sich vielleicht, was eigentlich typisch belgisch ist. Außer Hercule Poirot und dem Chicorée fällt einem da nicht unbedingt viel ein, doch halt, die Pommes frites wurden in Belgien erfunden. Schon 1781 schrieb der österreichische Gesandte in Brüssel in seinen Beobachtungen über Land und Leute: „Die Einwohner von Namur haben die Gewohnheit, in der Maas zu fischen und den Fang dann zu frittieren, um ihren Speisezettel zu erweitern. Wenn die Gewässer zugefroren sind und das Angeln nur schwer möglich ist, schneiden sie Kartoffeln in Fischform und frittieren diese dann. Diese Vorgehensweise ist mehr als hundert Jahre alt“. Das heißt, sie stammen nahezu aus der Lutherzeit und wären nie erfunden worden, wenn der Klimawandel schon damals vom Himmel gefallen und die Maas im Winter nicht zugefroren gewesen wäre. Ketchup gab es damals noch nicht, Mayo hingegen schon.

Ihr Robert Jarowoy