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Das Käseblättchen 4. KW/2017

Liebe Käsefreunde!

Der Manouri ist ein dem italienischen Ricotta verwandter Molkenkäse, der aus dem Parnass-Gebirge stammt, das bis vor wenigen Jahren das bedeutendste griechische Ski-Gebiet nordwestlich von Athen bei Delphi war. Infolge des Klimawandels fällt dort inzwischen aber kaum noch Schnee, und aus der Orakel-Felsspalte bei Delphi steigen auch keine berauschenden Schwefeldämpfe mehr auf, die die Priesterin die sowieso recht düstere Zukunft Griechenlands weissagen ließen, so dass den Menschen dort nicht viel mehr bleibt als das Wissen, die Wiege der europäischen Kultur und Zivilisation zu sein, ihre Banken gerettet und eine Olympiade durchgeführt zu haben, die die Stadt Athen und den griechischen Staat 14,8 Milliarden Euro gekostet hat (zum Vergleich: der Jahres-Gesamt-haushalt Hamburgs beträgt ca. 11 Milliarden Euro) - und über zwei ursprungsgeschützte Käsesorten zu verfügen: Feta und Manouri. Der Manouri ist ein schneeweißer, elastischer rindenloser Weichkäse mit einem dezenten Zitronenaroma, der nur im Großraum von Larissa, einer Stadt auf halbem Wege von Athen nach Thessaloniki produziert werden darf. Er schmeckt, gleichwohl aus Schafsmilch gewonnen, so mild und lieblich, dass er in Griechenland gerne mit Honig und Früchten wie Feigen mit frischem Weißbrot zum Frühstück oder als kleine mittägliche Zwischenmahlzeit gegessen wird und auch und besonders bei Kindern sehr beliebt ist. Als Molkenkäse ist er eigentlich ein Nebenprodukt bei der Herstellung von Feta oder Hartkäsen wie dem Kefalotiri, der dem italienischen Pecorino entspricht. Die nach der Dicklegung der mit Lab erwärmten Milch durch ein Sieb und beim Hartkäse durch Pressung abtropfende Molke wird bis auf 90° erhitzt, gesäuert und mit Rahm angereichert. Dabei bleiben alle ernährungsrelevanten hochwertigen Molkeneiweiße der Milch erhalten, was diesen köstlichen Käse nicht nur in geschmacklicher Hinsicht auszeichnet. Der Manouri wird in Griechenland auch gerne - paniert oder pur - kurz angebraten und als Salatbeilage oder Suppeneinlage verwendet. Beliebt ist eine griechische Variante der Tiramisu, wo der Manouri mit Espresso, Zucker und einem Schuss Metaxa zu einer Creme verrührt wird. Nicht gerade kalorienarm aber lecker!

Ihr Robert Jarowoy