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Das Käseblättchen 3. KW/2017

Liebe Käsefreunde!

Sofern Sie in der 18. KW 2012 bereits mein Käsekistchen bezogen haben, werden Sie natürlich wissen, wer Hugo I. war. Falls jedoch nicht, möchte ich Ihnen kundtun, dass er bereits im Jahre 1035 der Abtei von Sigy-en-Bray auferlegte, einen Käse in der Art des heutigen Brique de Neufchatel als Abgabe zu entrichten. Das Städtchen Sigy liegt im Nordosten Frankreichs in der Normandie, in der das Adelsgeschlecht der de la Ferté ein Gebiet beherrschte, in dem es viele Felshöhlen gab und gibt, in denen sich auf natürliche Art Weißschimmelpilze bildeten, die auf dem weichen Käse einen guten Nährboden fanden und ihm ihrerseits zu einem spezifischen Geschmack verhalfen, wie es in der Produkt-Beschreibung der Mönche archivarisch festgehalten ist. Dreihundert Jahre später brach der sog. Hundertjährige Krieg von 1337 bis 1453 zwischen England und Frankreich aus. Zum historischen Hintergrund: im 6. Jhdt. hatte es eine immense Flüchtlingsbewegung aus Norddeutschland nach England gegeben. Man kann sagen, dass es sich um Wirtschaftsflüchtlinge handelte, da wegen eines damals kälter werdenden Klimas der Dinkel hier nicht mehr reifte, während er es in England aufgrund des Golfstroms tat. Die auf den britischen Inseln ansässigen KeltInnen waren friedlich-freundliche Leute und vermischten sich weitgehend mit den hereinströmenden Angeln und Sachsen und lehrten sie, wie man Käse macht. 1066 fielen dann die Normannen unter Wilhelm dem Eroberer in England ein – wenn es damals schon so etwas gegeben hätte, hätte er vermutlich getwittert, dass er es aus humanitären Gründen getan habe. Nun entstand ein großes Chaos. Die Franzosen hatten England erobert, die anglizierten Franzosen wollten ihre Erbgüter in Frankreich aber nicht aufgeben und besetzten im Zuge des Hundertjährigen Krieges große Teile Frankreichs. Die englischen Offiziere, die damals überwiegend französisch sprachen, wurden in Bauernhöfen in der Normandie einquartiert. Und die Mädels, die für die Käseproduktion zuständig waren und im Gegensatz zu den Pariser Damen keine spitzenbesetzten Taschentücher besaßen, die sie hätten fallen lassen können, servierten den schneidigen Herren mitunter einen Käse in Herzchenform zum Frühstück – den Coeur de Neufchatel.

Ihr Robert Jarowoy