Anzeige

Das Käseblättchen 1. KW/2017

Liebe Käsefreunde!

In der Hoffnung, dass Sie die Festtage gut überstanden haben und nun dem neuen Jahr gelassen und frohgemut entgegen schreiten, möchte ich mich mit einem äußerst umstrittenen Käse zurück melden. Wenn Sie bereits in der 27. KW 2010 mein Käsekistchen bezogen und sich alles gemerkt haben, was ich damals und seither an Käse und Wissenswertem verzapft habe, wird Ihnen der Name Johannes von Morara genauso vertraut sein wie der Olmützer Quargel. Falls nicht, möchte ich Sie darüber informieren, dass dieser Herr von Morara als Erzbischof von Olmütz mit Begeisterung Quargel zum Frühstück verspeiste. Bemer-kenswerterweise habe ich sonst nichts über ihn recherchieren können. Irgendwie finde ich das traurig, wenn von einem über Jahrhunderte nichts überliefert bleibt, als dass man gerne einen stinkigen Sauermilchkäse aß. Bevor Gérard Dépardieu als Flüchtling nach Russland emigrierte und dort mit der Zusage, nie mehr Steuern zahlen zu müssen, Asyl und ein dauerhaftes Aufenthaltsrecht von Putin persönlich zugesichert bekam, war er als Botschafter des Harzer Rollers unterwegs. Wie Sie sicherlich wissen, ist der Harzer Roller ein Kanarienvogel, der in St. Andreasberg im Harz bei Clausthal-Zellerfeld seit dem 18. Jahrhundert von den dortigen Bergarbeitern gezüchtet wurde. Hintergrund war dabei der, dass die Bergarbeiter ihn als Warnvogel vor tödlichen Gasentwicklungen mit in die Stollen nahmen. „In geduldiger Zucht wurde diese Rasse dazu gebracht, sehr angenehm melodisch, abwechslungsreich und mit scheinbar geschlossenem Schnabel zu singen. Das Lied eines Harzer Rollers besteht in der Hauptsache aus vier Strophen: Hohlrolle, Knorre, Pfeife und Hohlklingel. Die Hohlrolle ist das wichtigste Element. Dabei singt der Vogel ein „r“ rollend in Verbindung mit den Vokalen „ü“, „o“ oder „u“, was dann z. B. wie „rururu“ klingt. Zur Knorre geht der Sänger in den Bass. Besonders geschätzt wird hier ein tiefes „krruruurru“. Der Vogel singt „lülülü“ oder „lololo“ bis zum tiefen „lululu“ in leicht abgesetzter Form. Besonders für Berg- und Hüttenleute sowie Waldarbeiter bedeutete die Zucht der beliebten Singvögel sowie auch die Herstellung der Versandkäfige, einen wichtigen Nebenerwerb. Einer Preisliste von 1888 kann man entnehmen, dass ein Hahn dieser begehrten Vögel zwischen 15,- und 24,- Mark kostete, während eine Henne für 1,50 Mark angeboten wurde. Bei einem Bergmannslohn in Höhe von 2 Mark pro 10-Stunden-Schicht hatte dieser Nebenerwerb eine hohe Bedeutung.“ Gérard Dépardieu hat zwar seinerzeit in dem Bergarbeiterdrama nach Emile Zolas Roman Germinal eine brillante Rolle gespielt, beim Harzer ging es ihm wohl aber eher darum, dass er hoffte, aus dem Obelix-Format wieder herauszukommen, denn der Harzer ist praktisch fett- und kalorienfrei und hat dennoch Geschmack.

Ihr Robert Jarowoy