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Das Käseblättchen 41. KW/2016

Liebe Käsefreunde!

Falls Sie Sorge haben, dass Sie demnächst Negativzinsen auf Ihr mögliches Sparguthaben zahlen müssen, möchte ich Sie auf eine „emotionale Anlage- und Renditemöglichkeit“ hinweisen, die in der Schweiz bereits seit einigen Jahren in zunehmendem Maße praktiziert wird: das Kuh-Leasing. Wie funktioniert das? Ganz einfach, Sie suchen sich – so ähnlich wie bei einer Partnerbörse – eine ansprechende Kuh aus, von der Sie dann auch ein Zertifikat und ein Foto im Bilderrahmen bekommen. Dann bezahlen Sie 380 Schweizer Franken und bekommen dafür, na was wohl. Käse natürlich. Ihre geleaste Kuh wird durch den Senn auf der Alp während des Alpsommers versorgt und täglich zweimal gemolken. Aus der Milch wird am Morgen im großen Chäschessi Alpkäse hergestellt. Dieser Käse gehört Ihnen. Sie können ihn beim Chästeilet im September, beim Besuch oder nach Absprache abholen und aufessen, verschenken oder weiterverkaufen. Der so zu zahlende Käsepreis beträgt ungefähr 17 statt 25 Franken pro Kilo. Diese Geschichte ist in Norddeutschland noch nicht so richtig angelaufen, was daran liegen mag, dass bei uns die Kühe nur eine Nummer im Ohr haben, während sie in Süddeutschland und in der Schweiz emotionsbindende Namen bekommen. So ist in Bayern der beliebteste Kuh-Name Susi (gefolgt von Alma und Berta). Was passiert, wenn Sie so eine Susi geleast haben und die nur sehr wenig Milch gibt, kann ich Ihnen leider nicht verraten. Nun ist das mit der Milchleistung sowieso so eine Sache. Seit man im 18. Jahrhundert begann, Kühe auf ihre Milchleistung hin zu züchten, haben sich die Erträge ungefähr vervierfacht. Vor allem bei den in Norddeutschland üblichen Schwarzbunten. In der konventionellen Milchwirtschaft leiden diese Turbo-Kühe ständig unter Euterentzündungen, weswegen sie schon prophylaktisch Antibiotika verabreicht bekommen, was in der ökologischen Landwirtschaft natürlich nicht zulässig ist. Aber zurück zum Kuh-Leasing. Beim Abholen können Sie laut Prospekt (einsehbar unter www.kuhleasing.ch) „einen Manntag Frondienst auf der Alp leisten, mit Eindrücken und Erkenntnissen, die Ihre Einstellung zur Berglandwirtschaft ändert“. Na bitte, das ist doch ein Angebot!

Ihr Robert Jarowoy