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Das Käseblättchen 42. KW/2016

Liebe Käsefreunde!

„Der Name der Rosskastanie beruht auf den Edelkastanien-ähnlichen Samen, die von den Osmanen als Pferdefutter und als Heilmittel gegen Pferdehusten mitgeführt wurden und so nach Mitteleuropa gelangten“ (Schmeil-Fitschen). Seit Beginn der 90er Jahre des vo-rigen Jahrhunderts hat man allerdings in jedem Sommer das trau-rige Bild der lange vor Herbstbeginn welk gewordenen Blätter dieser schönen Bäume vor Augen. Schuld daran ist die Kastanienminier-motte. Man kann sich natürlich die Frage stellen, wie dieser gegen alle eingesetzten Bekämpfungsmethoden letztlich resistent geblie-bene Schädling, den es angeblich schon im 19. Jhdt. vereinzelt im südöstlichen Balkan gegeben haben soll, sich nach seinem ersten Auftauchen in Oberösterreich plötzlich binnen 20 Jahren in rasen-dem Tempo über ganz Europa auszubreiten. Laut Wikipedia ist es nicht auszuschließen, dass einige Tierchen aus den Forschungs-zuchten an der Universität Linz ausgebüchst sind und dann im Zuge des globalisierten Freihandels ungebremst ihren Siegeszug angetreten haben; der vorerst allerdings nur gegen Seifenbaumgewächse gerichtet ist, zu denen die Rosskastanien botanisch zählen, aber nicht gegen Edelkastanien, die botanisch Buchengewächse und nicht mit der Rosskastanie verwandt sind. Deswegen gibt es auch noch uneingeschränkt Maronen. Diese waren in der Antike und im Mittelalter bis zur Einführung der Kartoffel vor allem in den süd-lichen Bergregionen Europas ein Grundnahrungsmittel. Sie wurden getrocknet gemahlen und verschiedenstartigen Teig-Nudelkomposi-tionen und Breien beigefügt. Auch heute noch werden sie in Italien mit Kartoffelmehl zu Gnocchi verarbeitet. Ein tolles winterliches Rezept sind Bratäpfel mit Käse-Maronifüllung. Wenn Sie mögen: gekochte Maroni pürieren und mit feingeschnittenen Schalotten, Majoran, Rosinen (diese eventuell in Rum mariniert) sowie gerie-benem Hartkäse vermengen und in die ausgehöhlten Äpfel füllen. Dann die Äpfel auf einem Blech oder in einer Form im Backofen braten und mit einem zimtbestäubten Sahnehäubchen heiß servieren. Wenn Ihnen das zu nervig ist, können Sie die Maronen natürlich auch geröstet à la Weihnachtsmarkt verspeisen oder zusammen mit Ihren Kindern oder Enkeln daraus Männchen basteln.

Ihr Robert Jarowoy