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Das Käseblättchen 43. KW/2016

Liebe Käsefreunde!

Der Charmeux ist ein Käse, der aus der Provinz Herve in der Wallonie stammt, wo man nicht nur guten Käse produziert, aber ich will ja nicht politisch werden, sondern beim Käse bleiben. Der unsrige in dieser Woche wird übrigens in Holland in Lizenz produziert und mit Schwarzkümmel verfeinert. Schwarzkümmel hat botanisch übrigens nichts mit Kümmel oder Kreuzkümmel (Cumin) zu tun. Die Samen der Pflanze, die zu den Hahnenfußgewächsen gehört, liegen geschmacklich zwischen Sesam und Kümmel, wodurch die Bezeichnung entstanden ist. Verwendung finden sie auf Fladenbrot oder z.B. im halbfesten Schnittkäse Charmeux. Gepresst liefern sie ein Öl, das bereits in der Antike als Heilmittel (z.B. gegen Schuppenflechte) Verwendung fand. Karl der Große hat um 800 in der ersten europaweit geltenden Wirtschaftsverordnung (capitulare de villis) 89 Pflanzen und Heilkräuter festgelegt, die auf den Krongütern anzubauen waren. Dazu gehörte neben Senf und Bockshornklee auch der Schwarzkümmel. Nach diesem Hinweis auf die trutzigen Wallonen nun ein Käse aus einem weiteren Land der Querschläger. Der Wensleydale Cranberry, der aus Yorkshire in Mittelengland stammt und zu den Crumbles (Krümelkäsen) zählt, ähnlich wie der Cheshire, der Stilton oder der wallisische Caerphilly. Die Rezeptur des Wendsleydale-Käses stammt aus dem 12. und 13. Jahrhundert, als französische Zisterziensermönche in England einwanderten und ihn aus dem Roquefort nach englischem Geschmack entwickelten. Aus Kuhmilch und ohne Blauschimmel, dafür aber mit Moos- oder Kranichbeeren, die in England Cranberries genannt werden. Die Moosbeere ist ein Heiderkrautgewächs und mit den Heidelbeeren verwandt, im Geschmack aber sehr viel säuerlicher. Manche werden sich an den Great Cranberry Scandal von 1959 erinnern, als in den USA und Kanada riesige Cranberry-Plantagen mit Amitrol aus dem Hause Monsanto besprüht worden waren und dann die gesamte Ernte vernichtet werden musste, obwohl der damalige Vize und spätere Präsident Richard Nixon vor laufenden Kameras vier Portionen Cranberry-Kompott verspeiste, um zu beweisen, dass keinerlei Gefährdung der Öffentlichkeit bestünde und Cranberries auch mit Amitrol sehr lecker seien.

Ihr Robert Jarowoy