Anzeige

Das Käseblättchen 24. KW/2016

Liebe Käsefreunde!

Vermutlich wird Ihnen der Name Benno Martiny ein Begriff sein. Allein schon wegen der jährlich vergebenen Benno-Martiny-Plaketten für die besten Molkereiprodukte oder durch sein in Molkereifragen grundlegendes Buch „Die Milch, ihr Wesen und ihre Verwertung“. Wenn auch nicht so bekannt, aber doch kaum weniger bedeutend dürfte der Ingenieur Wilhelm Lefeldt sein, der die Eimerschleuder als Vorstufe zur Trommel-Zentrifuge für die Buttergewinnung erfand. Wie mühsälig dieser Weg allerdings war, will ich ihnen mit dem Auszug aus einem Bericht Professor Benno Martinys dokumen-tieren, den dieser im Zusammenhang mit der Landwirtschaftlichen Weltausstellung in Bremen im Juni 1874 verfasste: „Zwei Tage vor der Eröffnung und der geplanten Gründung des landwirtschaftlichen Vereins reiste ich nach Helmstedt, um mich über die Bauart von Lefeldts Maschine näher zu unterrichten, die man eiligst noch hatte fertigstellen können, aber ohne vorherige Arbeitsprüfung nach Bremen abzuschicken genötigt war. Dann reiste ich mit hoch-gespannten Erwartungen nach Bremen, die erste Eimerschleuder freudig zu begrüßen, die in drei Größen sich Liebhaber gewinnen sollte. Dort aber harrte der Maschine eine traurige Niederlage. Nachdem sie vor dem Kreis zahlreich herbeigeeilter Zuschauer in Gang gesetzt worden war, riss sich plötzlich eines der eingehängten Gefäße los, nahm jedoch glücklicherweise seinen Flug über die Köpfe der Umstehenden hinweg und blieb, ohne irgendwelchen Schaden angerichtet zu haben, in dem Holzwerk eines nahen Schuppens stecken. Der Unfall wurde dadurch herbeigeführt, dass der Engländer (die ersten Dampfmaschinen in Deutschland stammten meist aus England und wurden von englischen Mechanikern bedient), an dessen Lokomobile die Maschine angeschlossen war, den Zuruf, die Antriebskraft zu vermindern, entgegengesetzt verstanden hatte. Und so begann der Apparat, sich wie verrückt zu drehen. Eine Vorrichtung aber, um die Geschwindigkeit an der Maschine selbst zu regeln, war noch nicht vorgesehen. Vielleicht begreiflich, fehlte es dem Missgeschick auch nicht an Spott und Hohn in mannigfacher Ausdrucksform...“ Ich hoffe, dass Sie die Bedeutung dieser Erfindung dennoch würdigen können.

Ihr Robert Jarowoy