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Die Prinzessin und der Schnelläufer

Die Prinzessin und der Schnelläufer

Inhalt


Eine Liebesgeschichte, ein Reprint aus den 70ern. Für alle bis in die 70er Jahre Geborenen ist es Pflichtlektüre im Sinne einer Retraumatisierung. Für die Jüngeren ist das Buch schlicht Aufklärung – und sei es nur, um endlich zu verstehen, warum in WG-Küchen immer noch Che-Plakate hängen.

"Viktor, der Ich-Erzähler, ein snobistischer Schowi, geht einem mit seiner geschraubten Germanistensprache zunächst fürchterlich auf den Wecker, Ruth scheidet mit Schlaftabletten aus dem Leben, Berger landet im Knast, Elke wird bei dem Versuch, ihn zu befreien, erschossen. Offen bleibt, ob Viktor und Veronika etwas dazulernen oder weiter verspießern ... Aber das ist nicht wichtig. Wichtig ist nicht das Schicksal von Romanfiguren. Wichtig ist: Die Charaktere und das Miljö, in dem sie kämpfen und scheitern, sind genau beobachtet. Univolk, Wohngemeinschaft, Kneipenpublikum, eine Liebesnacht und lustlose Fickerei, die Fabrik (z. B. die Leichtigkeit, an der Kreissäge einen Finger zu verlieren), der Knast (z. B. die Schwierigkeit, in der Isolierhaft einen Nussknacker zu beschaffen), die Illegalität, die Guerilla besucht eine mutmaßliche Sümpatisantin (erster Auftritt: das antiimperialistische Biedermannpärchen, zweiter Auftritt: der Blues.) – das alles stimmt.
Das Spannungsverhältnis zwischen Intellektuellen und Proleten, zwischen Tüpen und Frauen, zwischen Alten und Jungen, zwischen Linken und Linken, ihre Beziehungen und ihre Sprachen werden vielfältig fortgeführt und reflektiert."
(Aus dem Vorwort von Fritz Teufel)

Autor


Robert Jarowoy

Es ist ein sonderbares Gefühl, ein Buch zu lesen, das man einmal geschrieben hat, das aus einer Zeit stammt, die man selber miterlebt und durchlebt hat und die doch so fern ist, dass es sogar mir manchmal schwerfällt, sie nachvollziehen zu können.
Nun sind viele der Weggefährten jener Zeit, Fritz Teufel, Peter-Paul Zahl und andere gerade im vergangenen Jahr gestorben, und da sprechen mich plötzlich von verschiedenen Seiten Menschen, sogar ein Verlag, darauf an, ob ich 'die Prinzessin', wie sie damals überall genannt wurde, nicht wiederauflegen lassen wollen würde.
Etwas verwundert habe ich mich daraufhin an die Hand genommen und mir dieses mein Buch nach fast 30 Jahren erstmals wieder zu Gemüte geführt.
Einige Abende habe ich gebraucht, mich durch das Manuscript hindurchzufinden, glitten meine Gedanken beim Lesen doch immer wieder ab. Manchmal war ich genervt von meinem damaligen nach ein paar Jahren Isolationshaft entstandenen Schrifttum, fand es bekloppt und albern, dann wieder war ich angetan davon, wie es doch die damalige Zeit der 70er Jahre in einer recht facettenreichen und kritischen Weise zu beleuchten versucht, was damals nicht gerade selbstverständlich war.
Reflexionen über gesellschaftspolitische Analysen, individuelle Sehnsüchte, Ängste, Heroismus und das Unvermögen einander diesbezüglich verstehen zu können, galten eher als kleinbürgerliche Scheiße, die mit einer entsprechend brutalen Sprache kritisiert oder vielmehr in den Boden gestampft wurde, was ungewollt auch in meinem Text seine Spuren hinterlassen hat. Z. B. in dem inflationären Gebrauch des Begriffs 'bumsen', was damals allgemein so rüde oder noch schlimmer formuliert wurde. 'Wer zweimal mit der gleichen pennt, gehört schon zum Establishment', war eine gängige Parole.
Mir hat diese etwas kritische Sicht- und Darstellungsweise den Spitznamen ‚Anarchosülze’ eingebracht, was mich damals geärgert hat, weil es meinte, dass ich ein gefühlsduseliger moralischer Typ sei, der keine klare politische Linie habe.
Nun ja, viele, die damals eine klare Linie hatten, sind heute tot, zerbrochen oder auf die andere Seite geschwenkt. Und letzteres gilt nicht nur für Horst Mahler, sondern natürlich auch für diejenigen, die sich regierungskompatibel machten. Joschka Fischer, Cohn-Bendit, Trittin oder Claudia Roth, um nur einige bekanntere Namen zu nennen.
Heute schreibe ich Krimis aus dem Bereich der Altonaer Kommunalpolitik, in dem ich mich jetzt als Bezirksabgeordneter der Partei Die Linke bewege. Man kann sagen, dass ich mich von der Anarcho- zur Kommunalsülze bewegt habe, wobei ich dann bei Voltaire angelangt bin, der sein Candide damit enden lässt, dass man sich bescheiden und seinen Garten bestellen solle. Notfalls auch nur einen Kleingarten, würde ich hinzufügen.

Aus Die Prinzessin und der Schnelläufer