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Mord und Totschlag in Altona

Wenn es Nacht wird in Altona, setzt Robert Jarowoy sich in die Küche und lässt morden. Doch er zieht nicht als Pate von Ottensen die Strippen, er sitzt an seinem Notebook und schreibt Krimis. Sechs sind bereits erschienen und Jarowoy hat dabei ebenso viele Leichen auf der Strecke gelassen.

Seine Krimis spielen fast alle in Altona und alle sind politisch. Das kommt nicht von ungefähr. Robert Jarowoy, der eigentlich mit Bio-Käse handelt, ist Fraktionsvorsitzender der Linken in der Altonaer Bezirksversammlung und fehlt als politischer Aktivist auf keiner Demonstration. In seinen
Krimis ist Jarowoy den „Paten von Altona“

„Handlungen und Personen
sind frei erfunden, haben aber
authentische Vorgänge als
Hintergrund”

auf den Fersen, den Strippenziehern hinter den Kulissen. Er schreibt Schlüsselromane ein besonderes Vergnügen für ortskundige Leser - lässt aber ausreichend Spielraum, um die Grenzen zwischen Fiktion und Non-Fiktion zu verwischen. „Handlungen und Personen sind frei erfunden, haben aber authentische Vorgänge als Hintergrund“, so Jarowoy. „Ein Altonaer Politiker hat mir nach dem Erscheinen meines ersten Krimis ‚Mord im Bismarckbad’ im Scherz einen Deal angeboten. Er würde mich verklagen, die Auflage dadurch in die Höhe schnellen und wir könnten uns dann den Gewinn teilen.“

Doch „Mord im Bismarckbad“ war auch ohne Einschaltung eines Gerichts ein großer Erfolg. Die erste Auflage betrug 300 Exemplare, gedacht für die Ottenser Szene und war, wie auch die späteren Jarowoy-Krimis, im Eigenverlag erschienen. Sie war  schnell vergriffen. „Die Nachfrage war so groß, dass ich immer wieder nachdrucken ließ“, so Jarowoy. Inzwischen ist „Mord im Bismarckbad“ 10.000-mal verkauft worden. Seine Altona-Krimis sind nur in Altonaer Buchhandlungen erhältlich.

Wie wurde aus Robert Jarowoy ein Krimi-Autor? „Als ich meinen ersten Altona-Krimi schrieb, waren wir gerade mit unseren Bemühungen gescheitert, den Abriss des Bismarckbades zu verhindern.“ Jarowoy war damals einer der Sprecher der Bürgerinitiative. „Wir haben dann überlegt, ob wir unser Material als Dokumentation veröffentlichen sollen. Aber dann stellte sich die Frage, wer das lesen würde.“

Da Jarowoy schon Bücher geschrieben hatte, ließ er sich überreden, einen Krimi zum Thema zu verfassen. Seitdem lässt er Hauptkommissar Jürgen Homann und iseinen griechischen Freund Manolis Stephanopoulos  -  Jarowoy ist erfahrener Griechenlandurlauber  Morde in Altona aufklären. Auch sein neuester Krimi „Das Diebsteich—Komplott“, erschienen im März, beruht auf einer wahren Geschichte.

Aus Kloenschnack