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FÜNF FRAGEN AN Robert Jarowoy

Jarowoy, 1952 in der Nähe von Nürnberg geboren, lebt seit 30 Jahren in Ottensen. Seit 2008 ist er in der Bezirksversammlung Altona und Fraktionsvorsitzender der Linkspartei. Jarowoy ist Bio-Käsehändler und Autor mehrerer AItona-Krimis.

Wenn Sahra Wagenknecht optisch an Rosa Luxemburg erinnert, dann sind Sie ein Karl Marx auf Bezirksebene. Ist dieser Eindruck beabsichtigt?

Unsere Bezirksamtsleiterin hat mich schon mit „Herr Szczesny“ angeredet — dann möchte ich doch lieber Karl Marx ähnlich sehen und in seiner Denkweise handeln. Allerdings wollte ich immer nur ich selber sein und bin es, glaube ich, auch stets gewesen.

Aus welchen Erfahrungen speist sich Ihr politisches Engagement?

FÜNF FRAGEN AN Robert Jarowoy
Politisiert hat mich die sogenannte 68er-Bewegung und der Protest gegen den Vietnam Krieg. Später war ich in vielen stadtteilbezogenen Bürgerinitiativen und insbesondere und von ganzem Herzen in der Kurdistan-Solidarität aktiv.

Die Möglichkeiten der Bezirksversammlung sind begrenzt. Was motiviert Sie‚ trotzdem die vielen, oft mühsamen Sitzungen auf sich zu nehmen?

Der Wunsch, Altona lebenswert für alle zu gestalten. Die großen Entscheidungen werden zwar meistens auf anderer Ebene gefällt (Schließung des Altonaer Fern- und Regionalbahnhofs, Verkauf der Kleingartenflächen und sogar der Abriss des Bismarckbades), aber im Zusammenwirken mit den Bürgerinitiativen vor Ort kann man mitunter auch mal dem Senat ganz kräftig vor‘s Schienbein treten.

Wie stehen Sie zu Bürgerbegehren und Volksabstimmungen?

Unsere Partei und ich persönlich haben fast alle Bürgerbegehren und -entscheide in Altona nach Kräften unterstützt und es auch respektiert, wenn es anders kam als wir wollten, was allerdings bislang nur bei IKEA der Fall war. Mein größter Wunsch wäre ein erfolgreicher Volksentscheid zur Abschaffung der Hamburger Einheitsgemeinde, der Altona wieder ein gewisses kommunales Selbstbestimmungsrecht erbrächte.

Welche Erfolge Ihrer Fraktion in der Bezirksversammlung Altona sehen Sie?

Im Zusammenwirken mit der Bürgerinitiative haben wir — zumindest für's Erste — die geplante sechsgeschossige Bebauung des Spritzenplatzes verhindert. Die Beschlagnahmung des viele Jahre leerstehenden Bürokomplexes am AIbert-Einstein-Ring mit dem Ziel des Umbaus zu Wohnungen haben wir jahrelang vergeblich gefordert, bis es dann auf einmal doch ging und nunmehr dort Flüchtlinge sehr viel besser als in Zelten oder Baumärkten untergebracht sind. Wie groß der eigene Anteil an solchen Resultaten ist, ist schwer zu messen, aber wer sich nicht bewegt, kann auch nichts bewegen.

Fragen Helmut Schwalbach

Aus Kloenschnack